Gabriel Yoran

Entrepreneur with a background in the humanities.

Co-founder of consumer privacy software company Steganos and mobile social network aka-aki.

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More about Gabriel

Gabriel Yoran is co-founder of consumer privacy software company Steganos (which he started at the age of 17) and location-based social network, aka-aki.

Gabriel is an expert in product design and consumer marketing with more than 15 years of professional experience.

He is also a member of the European Union Social Networks Group. Gabriel is a mentor at the Founder Institute and Berlin Startup Academy and gives lectures on Entrepreneurship, Marketing, and Product Design.

Products designed by Gabriel have earned numerous awards, including two Webby Awards, a Lead Award and numerous Best Buy and Product of the Year awards in magazines like PC World.

Gabriel is a regular speaker at industry events such as the European Union’s Future Internet Assembly, Webinale, World Usability Day, Web 2.0 Expo, Mobile 2.0 Summit, Startup Live.

He studied Communication in Social and Economic Contexts and holds a Master of Arts from Berlin University of the Arts. He is now a Ph.D. candidate at the European Graduate School in Saas-Fee (Switzerland).

He lives in Berlin, Germany.

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Gabriel Yoran - Blog

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Die Gesunden sind doch heute überall - Zum faktischen Tod von Lancia

Dieses wunderbare Lancia Kappa Coupé fuhr ich vier Jahre lang. Von 0 auf 100 in 7,3 Sekunden, 241 PS aus fünf (!) Zylindern. Ein richtig schnelles Auto, das seine Fähigkeiten aber hinter einer barocken Fassade verbarg. Keiner glaubte, wie zügig sich dieser Trumm bewegen ließ.

Eine autogewordene Schrulle, die ziemlich teuer war im Unterhalt - weniger wegen des Verbrauchs als aufgrund der bizarr hohen Versicherungstarife, die auch der Tatsache geschuldet waren, dass dieses Modell in Deutschland nur knapp 350 Mal verkauft wurde (die Gesamtproduktion war weltweit kleiner als 4.000). Man fuhr also ein zu Großteilen in Handarbeit gebautes Auto (das sich einige Teile mit dem Maserati 3200 GT teilte, aber auch viele Fiat-Komponenten enthielt), ein Auto, das seine Herstellungskosten niemals einspielen würde. Eine Absurdität, eine totale Fehlkalkulation (wie vieles bei Lancia).

Aber einen Wagen zu bauen, der vorne den nüchternen Stil der 80er (als Mercedes sich den 190er zu bauen traute) repräsentierte, hinten aber Heckflossen aus den 50ern andeutete - sowas im Jahr 2000 anzubieten, diesen Irrsinn machte nur Lancia.

Ich will den Unsinn, heute sähen alle Autos gleich aus, nicht wiederholen. In den 50ern sahen auch fast alle Autos gleich aus. Es war nicht alles besser früher. Der Unterschied zwischen früher und heute ist nur, dass die juristische Person, die das Unternehmen ist, dem Hang zu Eskapaden und Eigensinn entwöhnt wurde. Sie erlaubt sich Exzesse durchaus noch, aber vornehmlich in der vulgären Form, wenn sie ihre Angestellten in den Puff einlädt. Und natürlich steht sie nicht dazu, sondern entschuldigt sich wortreich, wenn ihre Mitarbeiterbondage-Veranstaltung (mit ebenso bigotter Miene von egal welchen Medien vorgetragen) enttarnt wurde.

Die Person, die Lancia war, war in fast stetiger Krise. Oft orientierungslos, aber regelmäßig von genialischen Blitzen durchzuckt. Eine Person, die so schizophren war, das man vor allem ablesen konnte, was die “stabile Fiktion” einer Marke *nicht* ist. Eine Marke für Menschen, die in den Statistiken der Markentechniker irgendwo in der Nähe von Kia geführt wurde. Kennt keiner, will keiner.

Lancia war eine Marke, die man im Irrenhaus besuchen würde - und die, in ihren lichten Momenten, Ideen und Formen absonderte, die die den anderen niemals gekommen wären. Wir müssen uns andere Orte suchen, um einen Distinktionsgewinn zu erhalten, wie ihn Lancia versprach. Wir müssen den Exzess, die Exzentrik, den Eigensinn wieder suchen gehen. Den wüsten Exzess des Delta Integrale, die stille Exzentrik des Kappa Coupé - den Eigensinn vieler Lancias.

Die Gesunden sind doch heute überall - voller Medikamente, gedopt und durch Selbsttechniken im Zaum gehalten, liefern sie ab, was funktioniert und bestimmen, was gilt. Sie repräsentieren den toten Wunsch nach Perfektion. Eigensinn ist keine “Best Practice”, Schrullen kein Wettbewerbsvorteil. Wo finden wir die Irren heute? Wir müssen mal wieder suchen gehen.
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Die Gesunden sind doch heute überall - Zum faktischen Tod von Lancia

Dieses wunderbare Lancia Kappa Coupé fuhr ich vier Jahre lang. Von 0 auf 100 in 7,3 Sekunden, 241 PS aus fünf (!) Zylindern. Ein richtig schnelles Auto, das seine Fähigkeiten aber hinter einer barocken Fassade verbarg. Keiner glaubte, wie zügig sich dieser Trumm bewegen ließ.
Eine autogewordene Schrulle, die ziemlich teuer war im Unterhalt - weniger wegen des Verbrauchs als aufgrund der bizarr hohen Versicherungstarife, die auch der Tatsache geschuldet waren, dass dieses Modell in Deutschland nur knapp 350 Mal verkauft wurde (die Gesamtproduktion war weltweit kleiner als 4.000). Man fuhr also ein zu Großteilen in Handarbeit gebautes Auto (das sich einige Teile mit dem Maserati 3200 GT teilte, aber auch viele Fiat-Komponenten enthielt), ein Auto, das seine Herstellungskosten niemals einspielen würde. Eine Absurdität, eine totale Fehlkalkulation (wie vieles bei Lancia).
Aber einen Wagen zu bauen, der vorne den nüchternen Stil der 80er (als Mercedes sich den 190er zu bauen traute) repräsentierte, hinten aber Heckflossen aus den 50ern andeutete - sowas im Jahr 2000 anzubieten, diesen Irrsinn machte nur Lancia.
Ich will den Unsinn, heute sähen alle Autos gleich aus, nicht wiederholen. In den 50ern sahen auch fast alle Autos gleich aus. Es war nicht alles besser früher. Der Unterschied zwischen früher und heute ist nur, dass die juristische Person, die das Unternehmen ist, dem Hang zu Eskapaden und Eigensinn entwöhnt wurde. Sie erlaubt sich Exzesse durchaus noch, aber vornehmlich in der vulgären Form, wenn sie ihre Angestellten in den Puff einlädt. Und natürlich steht sie nicht dazu, sondern entschuldigt sich wortreich, wenn ihre Mitarbeiterbondage-Veranstaltung (mit ebenso bigotter Miene von egal welchen Medien vorgetragen) enttarnt wurde.
Die Person, die Lancia war, war in fast stetiger Krise. Oft orientierungslos, aber regelmäßig von genialischen Blitzen durchzuckt. Eine Person, die so schizophren war, das man vor allem ablesen konnte, was die “stabile Fiktion” einer Marke *nicht* ist. Eine Marke für Menschen, die in den Statistiken der Markentechniker irgendwo in der Nähe von Kia geführt wurde. Kennt keiner, will keiner.
Lancia war eine Marke, die man im Irrenhaus besuchen würde - und die, in ihren lichten Momenten, Ideen und Formen absonderte, die die den anderen niemals gekommen wären. Wir müssen uns andere Orte suchen, um einen Distinktionsgewinn zu erhalten, wie ihn Lancia versprach. Wir müssen den Exzess, die Exzentrik, den Eigensinn wieder suchen gehen. Den wüsten Exzess des Delta Integrale, die stille Exzentrik des Kappa Coupé - den Eigensinn vieler Lancias.
Die Gesunden sind doch heute überall - voller Medikamente, gedopt und durch Selbsttechniken im Zaum gehalten, liefern sie ab, was funktioniert und bestimmen, was gilt. Sie repräsentieren den toten Wunsch nach Perfektion. Eigensinn ist keine “Best Practice”, Schrullen kein Wettbewerbsvorteil. Wo finden wir die Irren heute? Wir müssen mal wieder suchen gehen.
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